Quo Vadis US Comics?

San_Diego_Comic-Con_International_logoDie San Diego Comic Con ist letztes Wochenende zu Ende gegangen und das ist immer ein guter Zeitpunkt in die Kristallkugel zu blicken und ein wenig herum zu orakeln.
Marvel hatte ja bereits im Vorfeld viele neue Serien angekündigt und sich auf der Con selbst eher auf das Film- / TV und Spielegeschäft konzentriert. Image hatte die Image Expo einige Tage vorher mit entsprechenden Ankündigungen. Bei DC gabs da schon mehr aus San Diego selbst und so kann man grob überblicken was in den kommenden 12 Monaten so alles erscheinen wird.

Die Ankündigungen von Marvel hatte ich ja zum Teil schon behandelt. Hier gab es zwar durchaus Überraschungen, aber man sieht eindeutig das ein neues, vereintes Marvel Univesum im Mittelpunkt steht. Der Iron Man der bei den All-New Avengers vor kommt ist der selbe der auch in der neuen Iron Man Serie von Bendis erscheint. Ms. Marvel oder der neue Spider-Man tauchen ebenso in verschiedenen Serien auf uns alles spielt zusammen in EINEM Universum.

Was man durchaus versucht ist ein wenig mehr zu diversifizieren. Sam „Falcon“ Wilson hat das Schild von Captain America übernommen, Thor ist weiblich, Ms. Marvel ist weiterhin die junge Muslima die ebenso Teenager Probleme hat wie das sie mit Superschurken kämpft. Wenn man sich den neuen Sampler anschaut wird offensichtlich das eben nicht mehr nur weise Männer im mittleren Alter das Zentrum der Geschichten sind und das man versucht so auch eben nicht mehr nur diese Zielgruppe zu erreichen.

DC scheint hier einen anderen Weg zu gehen. Der „Neustart“ nach Convergence war da schon ein Anzeichen für, weil das was in Action Comics passiert so gar nichts mit der neuen JLA Serie zu tun hat. für dieses uns nächstes Jahren wurden dann noch neue „Earth One“ Sachen angekündigt sowie mehr von Grant Morrison, inkl. weiteren Multiversity Heften und auch eine Fortsetzung von Dark Knight, wo man nur jetzt geschickterweise nicht mehr Frank Miller alleine schreiben lässt sondern ihm Brian Azzarello zur Seite gestellt hat. All das zusammen mit der Wiederkehr von Milestone und der Ankündigung eines Batman ’66 – Avengers (die „Mit Schirm, Charme und Melone“ Version) Crossovers zeigen, dass DC das mit dem einheitlichen Universum wohl erstmal auf Eis gelegt hat (bzw. auf wenige Serien beschränkt) und eher versucht abgeschlossene Geschichten zu erzählen die eben keinen größeren Zusammenhang mehr haben. In Anbetracht der Tatsache, dass bei den New 52 einiges in Bezug auf das Zusammenpassen des Universums schief gegangen ist vielleicht keine schlechte Idee. Auch hier zeigt sich ein breiteres Spektrum der Ausrichtung, allerdings nur sehr zögerlich. Es sind Serien wie Prez, Bizzaro, Bat-Mite oder Gotham Acadamy die her herausstechen, aber es sind letzendlich nur wenige und primär setzt man hier auf altbekanntes, sprich Batman bis zum Abwinken.

Image hingegen stellt sich breiter und breiter auf. Natürlich gibt es mehr von The Walking Dead, einfach weil es sich verkauft wie geschnitten Brot. Hinzu kommen dann aber wieder mal neue Serien die alles abdecken von Pulp (CODENAME BABOUSHKA) bis hin zu total abgefahren (snotgirl). Dadurch das mehr und mehr Autoren ihre Sachen bei Image veröffentlichen und gerade der Creator-Owned Anteil größer wird dürfte wohl hier das größte Wachstum zu erwarten sein.

Wenn man sich diese Entwicklungen anschaut dürfte Marvel wohl weiterhin den Markt im Fachhandel beherrschen, und das insbesondere bei den Einzelheften. Das neue Konzept von DC bzw. das was Image schon immer macht eignet sich sehr viel mehr für die Sammelbände. Bei einem gemeinsamen Universum ist die gefühlte Notwendigkeit die Hefte dann zu lesen wenn sie raus kommen sehr viel höher als wenn ich weis das es sich um eine in sich abgeschlossene Geschichte ohne Verbindung zu etwas anderem handelt.

Wie stark DC bei den Sammelbänden (sowohl im Fach- als auch im Buchhandel) zulegen kann hängt stark davon ab wie sehr Namen wie Morrison und Miller noch ziehen, bei Image sehe ich da allerdings in jedem Fall einen beständigen Zuwachs der sich wahrscheinlich stärker im Buchhandel zeigen wird. Insgesamt dürfte es nochmal ein klein wenig bergauf gehen, wobei die Frage bleibt wie sich das Fachhandel entwickelt wenn der Fokus sich mehr Richtung Sammelbänden entwickelt. Ich vermute stark das der Fachhandel langfristig genau darunter zu leiden haben wird und sich dann wieder zeigt, das die Konzentration auf einen Vertriebsweg und das Ignorieren des Kioskgeschäftes ein Fehler war.

In jedem Fall dürfte der digitale Markt weiter wachsen und auch der Hauptmotor in den USA sein, nicht nur vom Vertrieb selbst sondern auch vor der Werbewirksamkeit.

Komplett weg vom monatlichen Heft wird man aber wohl nicht kommen, letzendlich würde es sich sogar lohnen die Comicverlage DC umd Marvel einfach als Marketingabteilung für die vielen Filme, Fernsehserien und Computerspiele laufen zu lassen und deren Verluste als Investitionen in Markenerhaltung zu sehen.

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