iPad

Am 27. Januar war es soweit. Für eine Vielzahl an Apple Fans und Technofans ging eine lange Wartezeit zuende und es wurde das iPad von Steve Jobs persönlich vorgestellt. Es soll ein Gerät werden das eine neue Kategorie zwischen Smartphone und Notebook eröffnet.

Für alle die es nicht wissen, muss gesagt werden, dass ich kein Apple Fan bin. Im Gegenteil, ich habe weder den Macs in all ihren Formen noch dem iPhone sonderlich viel abgewinnen können. Für mich war und ist OS X schwerer zu bedienen als Windows und was ein iPhone kann kann auch ein Android Phone. Daher habe ich die Präsentation auch nicht mit Spannung erwartet sondern mich erst im Nachhinein ein wenig – und dann doch mehr – informiert.

Mittlerweile hatte ich Zeit über die Möglichkeiten und auch Schwächen des iPads nachzudenken, mich zu informieren und alles gegeneinander abzuwägen. Das hat meine Meinung in einigen Dingen doch stark geändert. Im vollständigen Artikel erkläre ich auch warum.

Nachteile
Was dem kritischen Betrachter sofort ins Auge fällt wenn man sich die technischen Spezifikationen anschaut ist das Fehlen diverser Features die man eigentlich erwartet hatte.

  • Webcam
  • Multitasking
  • Flashunterstützung
  • Externer Speicher (z.B. SD Card)

Alle diese Features die für ein Notebook heutzutage selbstverständlich sind lässt das iPad vermissen. Das Multitasking wurde sicher der Performance geopfert und dem einfacheren Transfer der iPhone Software. Webcam und die Unterstützung des externen Speichers gehen wohl eher zugunsten des relativ niedrigen Preises. Das Apple jedoch auf Flashunterstützung verzichtet hat sicher auch etwas mit dem offiziell angegebenen Grund des Ressourcenhungers zu tun, allerdings vermute ich hier eher ein politischen Grund. Vieles was durch Flashanwendungen abgedeckt wird will Apple natürlich über seinen Appstore abwickeln

Vorteile
Der offensichtliche Vorteil ist die Mobilität des iPads. Das Gerät hat exakt die richtige Größe um bequem in der Hand zu liegen, aber dennoch einen so großes Display das man bequem Surfen und Filme schauen kann. Ein weiterer Vorteil der von vielen als Nachteil gesehen wird ist die Tatsache das alles aus einer Hand kommt. So hat Apple zwar eine starke Kontrolle über alle Anwendungen die auf dem iPad angeboten werden (was in der Vergangenheit beim iPhone schon zu Unstimmigkeiten geführt hat), aber dadurch wird auch gewährleistet das alles so funktioniert wie es soll. Insbesondere die Abstimmung zwischen Hardware und Betriebssystem stellt hier einen großen Vorteil dar.

Weiterhin hat man die Bedienoberfläche des iPhones konsequent weiter entwickelt, so daß man wirklich den Eindruck bekommt das selbst Leute die normalerweise keinen Computer anfassen würden, hier die Möglichkeit bekommen an der modernen Kommunikation teilzuhaben. Das Surfen im Web und Email erscheinen in den Präsentationen wirklich um ein Vielfaches einfacher als mit Maus und Tastatur und die fehlende physische Tastatur ist für Leute die im Normalfall das Zwei-Finger-Such-System benutzen eher ein Vorteil. Dei bei Bedarf eingeblendete Tastatur erscheint mit groß genug um um vernünftig Tippen zu können und intelligent genug um selbst dann ein schnelles Tippen zu ermöglichen wenn man mit einer Hand das iPad hält.

Was das iPad nicht ist
Den Fehler den viele Kritiker machen ist die Annahme dass das iPad ein Notebook ersetzen könnte. Das ist in den meisten Fällen nicht der Fall. Für professionelles und vor allem schnelles Arbeiten an Texten ist immer noch eine vollwertige Tastatur notwendig (diesen Text würde ich auch nicht auf einem iPad schreiben wollen), für präzises Arbeiten an Grafiken immer noch eine Maus notwendig. Daran ändern auch die recht gelungenen iWorks Programme nichts.

Auch für viele Spiele wird das iPad nicht geeignet sein, dafür ist die Hardware doch nicht stark genug, was man jedoch von den Spielen gesehen hat die vom iPhone bereits portiert wurden, lässt auf viel kurzweilige kleine Spiele hoffen.

Was das iPad ist
Das iPad ist ein Browser zum herumtragen. Am Frühstückstisch mit einem Notebook Onlineausgaben einer Zeitung zu lesen ist sehr umständlich, mit dem iPad ist das aber kein Problem mehr. Auch Bücher, und Filme sind auf dem iPad, durch seine hohe Portabilität, sehr viel einfacher zu nutzen als auf einem Notebook.
Das iPad ist zudem ein portabler digitaler Bilderrahmen. Ich denke gerade hier wird sich einiges im Verhalten der Menschen ändern. Auf einem iPhone sind die Bilder doch noch etwas zu klein um diese bequem zeigen zu können. Ein iPad bietet hier sehr viel bessere Möglichkeiten und durch die einfache Bedienbarkeit kann man auch älteren oder nicht so technikafinen Personen das iPad in die Hand drücken und diese selbst die Bilder durchschauen zu lassen.
Der eingebaute iBookstore zeigt zudem, dass das iPad als direkte Konkurrenz zum Kindle zu sehen ist, und hier kann der Kindle nur durch längere Akkulafzeiten und ein etwas besser lesbares Display punkten, ist allerdings ausschließlich für Bücher geeignet und auch hier nur auf schwarz/weis Darstellung begrenzt. Wenn man hier den Preisunterschied von nur 50 $ sieht ist es eigentlich keine Frage das man das iPad dem Kindle vorzuziehen hat. Hier hat auch Amazon schon reagiert.

Was das iPad sein kann
Viel eindrucksvoller als die meisten gezeigten Anwendungen ist für mich aber das Potential des Geräts. Die App von MLB (im Keynote Video am 48:00 zu sehen) zeigt eindrucksvoll wohin die Reise gehen wird. Das iPad verbindet hier Fernsehen und Internet um ein interaktives Erlebnis zu bieten das es so bisher noch nicht gab. Wenn man nun berücksichtigt, dass diese App in 3 Wochen entstanden ist kann man nur erahnen was in einem Jahr für Apps auf den Markt kommen, geschweige denn was mit einem iPad 2.0 alles möglich sein wird. Eine interaktive Fernsehzeitung auf dem iPad mit Vorschau in Kombination mit einer Möglichkeit vom iPad aus sein Fernsehen mit Set-Top Box zu steuern ist da nur der erste Schritt. Wirklich interaktive Sendungen bei denen man Zusatzinformationen auf das iPad bekommt bzw. von dort aus auf einfach Art und Weise selbst mitwirken kann scheinen nicht mehr vollkommen abwegig.

Ein weitere Punkt der für mich interessant ist, ist das große Farbdisplay und die somit vorhandene Möglichkeit Comics auf dem iPad zu lesen. Marvel hat zwar bereits sein Bedauern über die fehlende Unterstützung von Flash geäußert, da sie erst vor kurzem ihren digitalen „Comic Reader“ auf Flashbasis neu programmiert haben, aber ich denke es ist nur eine Frage der Zeit bis Marvel sein digitales Archiv mittels einer App auf dem iPad anbietet.
Comixology hat gezeigt das dies auf dem iPhone möglich ist und das iPad mit seinem großen Farbdisplay bietet hier einfach ein zu großes Potential das Marvel dies nicht nutzen würde.

Auch hier ist das Anzeigen eines vorhandenen Comicarchivs nur der erste Schritt. In Zeiten wo Comicverlage primär für Sammelalben produzieren und die Einzelhefte ein notwendiges Übel sind kann hier ein ganz neuer Vertriebsweg eingeschlagen werden. Monatliche Serien werden nur noch digital vertrieben und wer Wert auf physische Hefte legt kann sich dann das Sammelalbum kaufen. Die Verlage können so die Produktionskosten für die Hefte sparen, den Großhandel umgehen und trotzdem die Arbeit der Schreiber und Zeichner bereits in einer monatlichen Serie in Umsatz umsetzten.

Konkurenz
Breites kurz vor der Vorstellung des iPads hat das Chromium Projekt ein UI Konzept vorgestellt das auf den ersten Blick eine wesentliche Verbesserung zum iPad darstellt. Allerdings darf man hier nicht vergessen das dies nur eine computergenerierte Grafik ist und es noch nicht mal ansatzweise Software, geschweige den Hardware dazu gibt. Genau hier ist das Problem das auch Android zu schaffen macht, die Unabhängigkeit von Hard- und Software. Android muss Treiber und Möglichkeiten für eine Vielzahl an Geräten bereit halten, dies wird auch bei „Tablet Chromium OS“ der Fall sein. Das iPad ist aber hier perfekt auf die Software abgestimmt. Auch der Android Market bietet keine wirkliche Kontrolle, da die eingereichte Software nicht geprüft wird.

Zudem hat Apple aktuell einen erheblichen Vorsprung. Chromium OS selbst steckt noch in den Kinderschuhen, Android hat mit den oben beschriebenen Problemen zu kämpfen und ein Tablet PC unter Windows 7 ist eben auch nur ein weiterer Windows PC, der nicht mit der einfachen Bedienung des iPads konkurieren kann.

Fazit
Ich wage mal einige wilde Behauptungen:

  • Das iPad wird eine neue Kategorie zwischen Smartphone und Notebook schaffen.
  • Es wird Konkurrenz geben, aber nur schleppend und verstreut.
  • Das iPad wird auch verändern wie wir Zeitungen, Bücher und Comics lesen.

All das wird aber nicht sofort passieren oder offensichtlich sein, bisher konzentrieren sich alle auf technische Daten, (fehlende?) Features und Vergleiche mit existierenden Produkten. Die Erkenntnis was das iPad sein kann wird erste kommen wenn die ersten Apps erscheinen die ausschließlich für das iPad gemacht wurden. Bis dahin werden die Spekulationen (wie auch die meinen) wohl nicht abreißen.

2 thoughts on “iPad”

  1. Ich denke das es keine große Konkurrenz geben wird, da das Preismodell von Apple einfach Klasse ist. Es wird schwer, ein von der Technik her so gutes Gadget zu übertreffen.

  2. Jein. Ich denke das Nokia, Samsung LG und HTC recht schnell (noch dieses Jahr) zumindest ein Gerät auf den Markt bringen werden das die Grundsätzlichen Funktionen (Browsen, Email, Videos, Musik, Ebooks) abbilden wird. Dazu wird man dann Symbian oder Android hochskalieren.
    HP, Dell und Toshiba werden dann ebenso ein Table-PC (Netbook Hardware) bringen wozu man dann Windows runterskaliert. Beides dürfte dann zu ähnlichen Preisen angeboten werden und technisch grob die selben Daten haben. Allerdings können die weder die Oberfläche so nachbilden, noch die Auswahl an Apps anbieten. Da liegt das eigentliche Problem.

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